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Wissen Sie, wie sich 79% ihrer Leser verhalten?

von Julia Bischoff (Kommentare: 0)

Leser von Handbüchern stehen meist unter Zeitdruck und überfliegen (digital) publizierte Texte mit einer Geschwindigkeit von 700 bis 1500 Wörtern pro Minute. Dabei bewegen sich ihre Augen mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit über die Seite.

Aber wie kann man überhaupt so schnell lesen? Fast gar nicht!

Der Einführungstext, Zwischenüberschriften und einzelne Worte werden wahrgenommen. Laut einer Studie des Allensbach Instituts lesen 79% der Leser eines (digitalen) Textes nach diesem Muster.

Diese Art des Lesens heißt F-Lesen.

F-Muster beim Lesen digitaler Texte

 

Mittels Eyetracking kann dieses typische F-Muster beim Lesen grafisch dargestellt werden. Mehrere Eyetracking-Studien zeigen immer wieder dieses dominierende F-Muster für die Bereiche mit höchster Aufmerksamkeit.

Eyetracking-Bilder die das F-Muster zeigen

So entsteht das F-Muster beim Lesen

Zuerst wird horizontal der erste Absatz eines Textes gelesen, also z.B. der Einführungstext. Diesem wird die volle Aufmerksamkeit geschenkt.

Anschließend liest der Nutzer vertikal am linken Rand nach unten. Dabei setzt er das sogenannte Scannen des Textes ein, in dem er nur die ersten Wörter eines Absatzes liest und dann weiterspringt.

Wenn der Leser für ihn interessante Informationen gefunden hat, schweift sein Blick ein zweites Mal nach rechts.

Zum Schluss hangelt er sich dann am linken Rand des Textes weiter nach unten.

Doch warum lesen wir digitale Texte nach diesem Muster?

Die Gründe hierfür sind einfach: Das Lesen auf einem Bildschirm strengt mehr an als auf Papier. Daher überfliegen wir digitalen Inhalt eher, als ihn intensiv zu lesen. Auf Grund der digitalen Informationsflut muss der Leser viel mehr Inhalt aufnehmen und hat immer mehr Angst etwas zu verpassen.

Welche Konsequenzen kann die Technische Redaktion daraus ziehen?

Sollten Anleitungen auch dieses F-Muster verwenden?

Das F-Muster hilft ihnen ihre Texte mit einer guten visuellen Hierarchie zu versehen. Diese ermöglicht es, dass ihr Leser - vor allem bei einer digitalen Publikation - den Text schneller überfliegen (scannen) kann.

So sind zum Beispiel Anleitungen mit einem 2-Spalten-Format nicht gut geeignet. Der Leser wird durch die unterschiedlichen Inhalte der beiden Spalten in seinem Lesefluss gestört und gibt eher ganz auf, als dass er weiterliest.

Ein positives Beispiel, dass das F-Lesen unterstützt, ist der Aufbau einer Anleitung mit Marginalien am linken Rand, die Schlüsselwörter enthalten. So kann der Leser, wenn er vertikal nach unten scannt, die für ihn wichtigen Themen leichter finden. Auch Zwischenüberschriften und Aufzählungslisten unterstützen dieses F-Lesen.

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