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Sind Sie sich bewusst, wie die Digitalisierung das Verhalten unserer Leser verändert?

von Julia Bischoff (Kommentare: 0)

Der Sommerurlaub ist vorbei und damit die Zeit des Schmökerns. Vertieft in ein Buch, am Meer in der Hängematte liegend und Zeile für Zeile die Lektüre inhalieren.
Zurück am Arbeitsplatz wechseln wir abrupt unser Leseverhalten. Wir sitzen vor dem Bildschirm oder haben ein Tablet in der Hand und wollen möglichst schnell alle relevanten Informationen finden.

Diese Kontroverse zeigt uns auf, dass wir als Redakteure, unseren Leser zuallererst verstehen müssen, bevor wir für ihn schreiben. Wo und wie liest er unsere Texte? Welche Informationen benötigt er? Sucht er nur nach einem bestimmten Stichwort oder möchte er vollständig informiert sein?

Grundvoraussetzung für die Beantwortung dieser Fragen ist das Verständnis darüber, wie das Lesen von Text im Gehirn verarbeitet wird.

Und hier zeigt sich, dass sich das Leseverhalten in konstantem Wechsel befindet. Traditionelle Lesearten von Printmedien einerseits, sowie das Lesen digital publizierter Texte andererseits, stehen in zunehmendem Maße nebeneinander. Studien zeigen, dass dies letztendlich zu Veränderungen der Art des Lesens führt und sich hierdurch sogar die neuronale Struktur im Gehirn des Lesers ändert.

Denn das Lesen gedruckter Wörter und das Lesen von Wörtern auf einem Bildschirm ist nicht das Gleiche. Obwohl beides die visuelle Aufmerksamkeit auf den Text erfordert, haben sich die Praktiken des Lesens in diesen beiden Medien ganz unterschiedlich entwickelt.

In Wissenschaftskreisen wird das traditionelle Lesen eines Buches als Close-reading bezeichnet. Ein intensives Lesen des Textes. Wort für Wort, Satz für Satz. Eine vertiefte Konzentration über eine längere Zeit auf einen einzigen Informationsstrom.
Im Gegensatz dazu steht das Lesen digital publizierter Texte, das sogenannte Hyper-reading. Hyper-reading ist ein Überfliegen des Textes und ein Wechseln zwischen unterschiedlichen Informationsströmen.

Hyper-reading ist im heutigen Alltag vieler Menschen das dominierende Leseverhalten oder zumindest die am häufigsten verwendete Leseart. Surfen wir im Netz, verwenden wir typischerweise die Leseart Hyper-reading. Wir überfliegen Texte, folgen Hyperlinks und filtern Informationen.

Bei dieser Art des Lesens überfliegt der Leser die Technische Dokumentation im Schnelldurchlauf und versucht so, die gesuchte Information mittels Schlüsselbegriffen zu lokalisieren.

Er liest den Text dabei nicht Wort für Wort, sondern lässt seinen Blick über den Text schweifen. Dabei nimmt er Überschriften, Hervorhebungen und Substantive wahr. In diesen Schlüsselbegriffen stecken häufig die wichtigsten Informationen. Es ist eher ein Suchen, als ein Lesen.

 

Testen Sie sich selbst und verstehen Sie dadurch Ihre Leser besser

Stellen Sie sich vor, Sie sind der Leser einer Bedienungsanleitung einer Waschmaschine. Im Inhaltsverzeichnis finden Sie das von Ihnen gesuchte Thema Waschmittel-Einspülkasten. Sie springen zum entsprechenden Kapitel. Sie sind im Zeitdruck, also überfliegen Sie den folgenden Abschnitt in der Anleitung.

 

Überfliegen Sie den folgenden Text kurz und scrollen Sie erst dann nach unten.

Wie oft kommt Ihr Schlüsselbegriff Waschmittel-Einspülkasten im Text vor?

Hyper-reading im Selbsttest

 

 

 

 

 

 

 

An 5 Stellen konnten sie den Schlüsselbegriff Wachmittel-Einspülkasten lokalisieren.
Aber: Scrollen Sie jetzt weiter nach unten.

 Hyper-reading Ergebnis für Schlüsselbegriff

 

Wahrscheinlich haben Sie beim Überfliegen des Textes die Synonyme nicht erkannt. Somit ist Ihnen Information verloren gegangen.

Hyper-reading Ergebnis übersehener Schlüsselbegriffe

 

Dies ist nur ein kleines Beispiel für die Problematik. Bei Anleitungen mit mehreren hundert Seiten kann sich dieser Effekt natürlich stark multiplizieren. Der Technische Redakteur muss daher verstärkt auf die Einheitlichkeit der Schlüsselbegriffe in seinen Dokumenten achten.

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