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Vom Quereinsteiger direkt zur eierlegenden Wollmilchsau

von Julia Bischoff (Kommentare: 1)

80% der Technischen Redakteure sind Quereinsteiger. Diese Zahl macht besonders deutlich, dass der Anteil von Quereinsteigern in der Technischen Redaktion überdurchschnittlich hoch ist. Dies ist unter anderem dadurch zu erklären, dass die Redakteure das technische Fachwissen und den Fachjargon von Entwicklern und Ingenieuren verstehen müssen. Daher kommen Quereinsteiger meisten aus den Ingenieurwissenschaften oder haben eine sonstige technische Berufsausbildung.

Dies spiegelt sich auch in aktuellen Stellenanzeigen wieder: ca. 50% fordern einen technischen Hintergrund von den Bewerbern. Dies bedeutet wiederum, dass Quereinsteiger im Bereich Technischen Dokumentation sehr gute Job-Chancen haben.

Stellenanzeigen Technischer Redakteur Bildung

 

Äußerst problematisch wird es für den Quereinsteiger jedoch, wenn er ohne eine Zusatzausbildung ins kalte Wasser geworfen wird. Und dies geschieht immer noch recht häufig mit dem lapidaren Kommentar:

Texte schreiben kann doch jeder.

Dies geht in manchen Unternehmen sogar so weit, dass Konstrukteure ganz nebenbei noch die Dokumentation verfassen sollen. Laut aktuellen Zahlen der tekom hat der größte Teil der Technischen Redakteure keinen formalen Abschluss in der Technischen Dokumentation und gut ein Viertel haben gar keine Aus- oder Weiterbildung in diesem Bereich.

 

Wie sieht sie denn nun aus, die eierlegende Wollmilchsau, die sich Unternehmen in aktuellen Stellenausschreibungen vorstellen?


Wer sich in letzter Zeit die gängigen Anforderungsprofile angesehen hat, der hat sich mindestens gewundert, was Bewerber im Beruf der Technischen Redaktion so alles mitbringen sollen. Der Allrounder macht alles: Technik, Medien, Sprache und Organisation.

Nicht nur Normen und Gesetzte sollten verinnerlicht sein, auch die volle Bandbreite an Softwaretechnik sollte beherrscht werden – von Office über CAD und Grafikprogramme bis hin zu SAP. Englisch sollte am besten auf höchstem Niveau gesprochen werden, von Deutsch ganz zu schweigen. Und auch die Organisation von Standardisierung, Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Technischen Dokumentation wird immer mehr gefordert. Und die Berufserfahrung darf natürlich auch nicht fehlen, am Besten schon einige Jahre und im gesuchten Fachbereich.

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentar von Helena Maier |

Vielen Dank für den interessanten Beitrag! Liest man Ihren Beitrag (und auch weitere Beiträge im Netz) entsteht das Bild: der Beruf des Technischen Redakteurs ist anspruchsvoll, aber auch sehr vielseitig und mehr als "nur" Anleitungen schreiben. Ganz interessant ist ein Interview mit einem Technischen Redakteur gewesen. Der TR sagte, dass er nur 20% seiner Arbeitszeit tatsächlich Texte schreibt.

"Actually, most of the time I have to gather pertinent information from stakeholders and other sources, and then analyze and synthesize it. Probably, less than 20% of my time on the job is actually writing." (intelligent-information.blog, Interview mit Yordan Georgiev)

Viele Grüße aus dem iiblog,
Helena Maier