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Schwedische Kinder und der Redakteur

von Sabine Fritz (Kommentare: 0)

Schwedische Kinder gehören zu den besten Lesern weltweit.

Das liegt in erster Linie daran, dass im schwedischen Fernsehen meist im Original mit Untertitel gesendet wird. Wer Untertitel Wort für Wort liest kommt nicht weit. Somit sind die Kinder gezwungen möglichst schnell das Wesentliche eines Satzes zu erfassen. Durch die Untertitel werden Sie darauf trainiert, statt einzelner Buchstaben ganze Wortgruppen zu erfassen. Dies ist möglich, da das Auge Sinngruppen wie beispielsweise „ein großes rotes Auto“ mit einem Blick aufnehmen kann.

Menschen, die sehr langsam lesen, fixieren ein Wort nach dem anderen

Je mehr Wörter ein Leser mit einer Augenfixierung wahrnahmen kann, desto schneller ist er beim Lesen.

Eine Studie der Universität Triest hatte folgendes Ergebnis: Schweden benötigen zum Lesen des Untertitels 5 %, Italiener 67 %, Spanier 74 %, Amerikaner 87 % und die Briten 88 %. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Schweden sich 95 % der Zeit dem Film widmen können. Die Briten haben hierfür leider nur noch 12 % zur Verfügung.

Diese Fähigkeit zum Erfassen ganzer Wortgruppen hat jedoch nicht nur die Folge, dass Texte schneller gelesen werden können. Erstaunlicherweise zeigen Studien, dass dies gleichzeitig zu einem besseren Leseverständnis führt.

Bestimmt kommt Ihnen das bekannt vor:

Irgendwo mitten im Text schweifen Ihre Gedanken ab. Sie denken ans Wochenende oder ans Mittagessen.

Diverse Studien belegen, dass dieses Abschweifen der Gedanken beim Lesen nicht an mangelnder Konzentration liegt. Sondern daran, dass Sie einfach zu langsam lesen! Ihr Gehirn kann enorme Menge an Informationen verarbeiten. Wenn Sie zu langsam lesen beanspruchen Sie Ihr Gehirn zu wenig. Mit der Folge, dass es sich langweilt und sich eine andere Beschäftigung sucht.

Schnelleres Lesen steigert das Textverständnis merkbar

Das Gelesene wird in Sinngruppen gleichzeitig mit nur einer Augenfixierung zusammengefasst und Ihr Gehirn verfällt nicht in Langeweile.

Im Idealfall entspricht die Lese- der Denkgeschwindigkeit. Die Normalgeschwindigkeit liegt zwischen 100 und 400 Wörtern pro Minute. Das schnelle Untertitel-Lesen der Schweden kann zu einem Neuronenfeuerwerk mit 600 bis 1 000 Wörtern pro Minute führen.

 

Welche Konsequenzen kann die Technische Redaktion daraus ziehen?

Lange und komplizierte Texte, Sätze oder Wörter behindern den Leser beim flüssigen Lesen. Dadurch springt er oft im Text zurück, da er die Informationen nicht richtig aufnehmen kann.

Meiden Sie Texteinschübe und Nebensätze

6 Wörter oder 12 Silben kann sich ein Mensch gut merken und im Kurzzeitgedächtnis abspeichern. Somit sollten Sinngruppen und anderen Zusammenhänge in einem Satz auch zusammenbleiben. Nebensätze, Einschübe oder Klammern behindern den Lesefluss, lenken vom eigentlichen Thema ab und erschweren so das Verständnis.

Forschungen haben ergeben, dass Einschübe von 3 bis 9 Wörtern das Textverständnis erschweren. Je länger die Einschübe sind, desto schwerer wird es für den Leser den eigentlichen Sinn des Satzes zu verstehen. Egal wie gut oder schnell man lesen kann.

Schreiben Sie in kurzen Sätzen

Generell gelten 15-20 Wörter als Maßstab für einen gut verständlichen Text. Bei gut der Hälfte aller Leser gibt es ab dem 15. Wort Probleme beim Textverständnis. So empfiehlt die Tekom Leitlinie bei Handlungsanweisungen maximal 20 Wörter pro Satz. Auch die Deutsche Presse-Agentur hat eine Obergrenze: 20 Wörter sind noch in Ordnung, mehr als 30 sind nicht erlaubt. Wechseln Sie also zwischen längeren und kurzen Sätze geschickt ab, um einen positiven Lesefluss zu erzeugen.

Durch kurze Sätze kann ein Leser mit nur wenigen Augenfixierungen die Aussage eines Satzes aufnehmen und besser Verstehen.

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