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Gibt es im Silicon Valley überhaupt noch Technische Redakteure?

von Sabine Fritz (Kommentare: 0)

Alle schauen ehrwürdig Richtung Silicon Valley. Der eine mit unbändiger Neugier, der andere mit ängstlichem Blick. Bei allen Unkenrufen, dass Stellen im Rahmen der Digitalisierung und Automatisierung wegrationalisiert werden, wie sieht es denn mit dem Beruf des Technischen Redakteurs im gepriesenen Silicon Valley aus?

Zuerst einmal die gute Nachricht: Die Digitalisierung rationalisiert auch im Silicon Valley den Redakteur noch nicht komplett weg. So sucht Google allein am heutigen Tag 19 Technische Redakteure.

Schwenken wir den Blick zurück nach Deutschland und betrachten hier den Arbeitsmarkt: Die aktuelle Arbeitslosenstatistik weist die geringste Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren auf. Und laut den aktuellen Branchenkennzahlen der tekom bestand in den letzten Jahren ein relativ konstanter Arbeitskräftebedarf von jährlich ca. 4 000 neuen Stellen für Redakteure.

 

Entlassungswelle durch Digitalisierung/Automatisierung oder geringste Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren. Ja was denn nun?


Wehe, wenn die Digitalisierung kommt! Das Schreckgespenst des großen Stellenkahlschlags geistert durch nahezu alle Unternehmen. Aber die obigen Zahlen zeichnen doch eher ein rosiges Bild. Oder?

Schauen wir dem Schreckgespenst des Stellenabbaus kurz ins Auge:

Durch die zunehmende Automation und Technisierung werden Arbeitsplätze bedroht, die noch vor wenigen Jahren als zukunftssicher galten.

Die Beratungsgesellschaft McKinsey prognostiziert, dass in den kommenden zehn Jahren in der Versicherungsindustrie rund 40 Prozent aller Arbeitsplätze wegfallen. Grund hierfür ist die Technik, die viele Mitarbeiter überflüssig macht. Nahezu alle privaten Krankenversicherer haben inzwischen Apps installiert, über die die Versicherten Arzthonorare und Rezepte direkt abrechnen können. Hier nimmt kein Sachbearbeiter mehr ein Stück Papier in die Hand und die entsprechenden Büroarbeitsplätze werden komplett wegrationalisiert.

Und ganz ehrlich, wer hätte noch vor kurzem gedacht, dass Anwälte wegrationalisiert werden, weil ihre Arbeit von Algorithmen ersetzt, teils sogar besser bewältigt werden kann? Heute ist es schon fast selbstverständlich, dass Fluggastrechte mit dem Algorithmus von Flightright erfolgreich erstritten werden.

Überrascht reagierten Anfang des Jahres auch Mitarbeiter des Unternehmens Zalando: Hier werden ca. 250 Stellen im Marketing wegrationalisiert und durch Algorithmen ersetzt.

 

Was bedeutet dies alles nun für die Zukunft des Redakteurs?


Hier spielen zwei Faktoren eine zentrale Rolle:

Zum einen, der möglicherweise reduzierte Arbeitsaufwand.

Während die Redakteure im Silicon Valley für Unternehmen arbeiten, die permanent neue Produkte in einer boomenden Branchen auf den Markt bringen, arbeitet ein Großteil der Redakteure in Deutschland in der Industriebranche, die vor immensen Umbrüchen und Disruptionen steht.

Und eines ist sicher: Wenn die Elektromobilität in Deutschland zum Jobkiller wird und Tausende von Ingenieuren ihren Job verlieren, dann bedeutet dies im Rückschluss eben auch, dass diese nicht mehr vom Ingenieur entwickelten Teile und die damit verbundenen Prozesse nicht mehr vom Redakteur beschrieben werden müssen.

Zum anderen die immer besser werdende Software.

Nachdem die Technologien zur Texterstellung und -verarbeitung über Jahre hinweg nahezu stagnierten, entwickeln sie sich seit einiger Zeit in großen Schritten voran. Dies betrifft sowohl Technologien, die die Arbeit des Technischen Redakteurs verbessern, ihn aber eben auch zum Teil ersetzten können.

Auf diese beiden Faktoren wollen wir anhand von Beispielen in den nächsten Blogbeiträgen näher eingehen.

 

 

 

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