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Dokumenten-Layout erschwert die Konzentration

von Sabine Fritz (Kommentare: 0)

Unsere Aufmerksamkeit ist limitiert. Daher versucht unser Gehirn die Massen an Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, durch die so genannte "selektive Aufmerksamkeit" zu filtern. Dies erfolgt durch die Konzentration auf einen Reiz, der von unserem Gehirn als relevant eingestuft wird, während alle übrigen irrelevanten Störreize ausgeblendet werden.

Diese Selektion relevanter Reize führt jedoch häufig zu mentalen Verarbeitungskonflikten. Unser Gehirn kann dann die Relevanten nur schwer von den Irrelevanten separieren. Mit dem Ergebnis, dass wir irrelevante Reize schlechter ausfiltern können.

Mit einem der bekanntesten Tests der Psychologie – dem Stroop-Effekt – können wir dies an uns selbst testen:

Sprechen Sie die Namen der Farben spaltenweise laut aus. Lesen Sie nicht die Wörter, sondern nennen Sie die Schriftfarbe. Beginnen Sie mit der linken Spalte:

 

Stroop-Effekt

 

Bei diesem Test werden wir explizit aufgefordert, die "Farbe" als relevante Information einzustufen, und das "Wort" selbst als irrelevanten Reiz zu ignorieren.

Und wir scheitern. Zumindest erfordert es eine erhöhte Konzentration, unsere Reaktionszeit wird verlangsamt und unsere Reaktionen sind fehleranfälliger. Die "Lese-Automatik" drängt die Wortbedeutung so stark in den Vordergrund, dass es für uns schwierig wird, die Farbinformation zu erfassen und fehlerfrei auszusprechen.

Grund: Wir können gar nicht anders

Wenn wir ein Wort sehen, müssen wir es lesen, ob wir wollen oder nicht. Lesen ist eine Tätigkeit, die wir täglich praktizieren. Wir sind so geübt darin, dass wir ein Wort automatisch als "relevanten" Reiz einstufen und es automatisch lesen.

 

Was hat das nun mit dem Layout in der Technischen Dokumentation zu tun?

Ein einfaches Layout erleichtert die Lesbarkeit dadurch, dass irrelevante Reize so minimal wie möglich gehalten werden.

Insbesondere das mehrspaltige Layout hat zur Folge, dass der Leser irrelevante Informationen häufig nur schwer oder gar nicht unterdrücken kann. Liest der Leser eines mehrspaltigen Textes die für ihn relevante Spalte, so fixiert sein Auge auf den relevanten Textbereich und folgt dem Fließtext.

Bei einem Seitenwechsel verliert das Auge leicht den Halt und liest fast zwangsläufig die Überschrift in der nächsten, für ihn im Moment irrelevanten Spalte. Ungeachtet der eigentlichen Textreihenfolge fixiert das Auge somit die irrelevante Information. Denn ein fett gedrucktes, farblich hervorgehobenes Wort wird von unserem Gehirn automatisch als noch relevanter eingestuft. Dieser Effekt wird durch das sogenannte F-Lesen nochmals verstärkt.

All dies bindet unsere limitierte Aufmerksamkeit und erschwert hierdurch die Konzentration auf den eigentlichen Text.

Die Augen fixieren ungewollt diese Elemente am Anfang der Seite, ungeachtet der eigentlichen Textreihenfolge:

 

 

 

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