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David erfindet das Rad nicht jedes Mal neu

von Julia Bischoff (Kommentare: 0)

 

Wie bereits angekündigt wollen wir dem Thema David gegen Goliath nachgehen.

Begibt sich der Technische Redakteur auf Fachveranstaltungen, so wird er seit Jahren damit konfrontiert, dass mit zunehmender Digitalisierung und wachsenden Verbraucheransprüchen eine sogenannte kontrollierte Sprache in Technischen Redaktionen unerlässlich ist. Denn diese hat heute durch die digitale Weiterverarbeitung der technischen Dokumentationen enorme Auswirkungen hinsichtlich Qualität und Kosten der Texte. Dieser Fakt ist nicht von der Hand zu weisen.

Natürlich ist es perfekt eine ausgefeilte kontrollierte Sprache zu haben. Aber die Realität sieht wie immer bei den meisten Unternehmen anders aus: Kommentare wie "Ich als Redakteur habe überhaupt keine Zeit irgendeine kontrollierte Sprache zu entwickeln. Geschweige denn sehe ich dies als meine Arbeit an." sind nicht selten zu hören.

Gleichzeitig scheint kontrollierte Sprache – trotz der eklatanten Auswirkungen – keine Chefsache zu sein. Während ein durchgehendes Design und Layout heute in nahezu allen Unternehmen selbstverständlich ist, lassen viele Unternehmen ihre Redakteure allein auf weiter Flur stehen, wenn es um das essenzielle Hilfsmittel "kontrollierte Sprache" geht.

Der Grund liegt auf der Hand: Sprache lässt sich im Vergleich zum Design deutlich schwieriger standardisieren


Und während sich die finanzkräftigen Goliaths hierfür Fachberater für ein ganzheitliches Konzept ins Unternehmen holen, versuchen die Davids irgendwie selbst Regeln einer kontrollierten Sprache speziell für ihr Unternehmen zusammenzuwurschteln. Ach ja, und dann sollten die Davids noch zusätzlich den Spagat zwischen der Corporate Language des Marketings und der kontrollierten Sprache der Technischen Redaktion meistern. Und dies, wie bereits erwähnt, häufig mal so kurz nebenbei, neben der eigentlichen Tätigkeit und ohne ein entsprechendes Budget.

Viele Unternehmen erfinden hier das Rad der Sprache neu, verlieren sich in den Weiten der Regeln und so verebbt das Thema irgendwann und wird ad acta gelegt.

So geht die Schere zwischen David und Goliath bereits an diesem ganz bodenständigen Thema immer weiter auseinander. Während Goliath seine kontrollierte Sprache bereits mit den entsprechenden Programmen automatisiert auf dem Silbertablett serviert bekommt, arbeitet David noch nach dem Motto "Schreibst Du schon oder rätst Du noch".

 

Denkanstoß für eine Strategie


Ein vollständiges Regelwerk für kontrollierte Sprache ist für Redaktionen heute von essenzieller Bedeutung. Denn ohne dieses Regelwerk sind alle weiteren Schritte nicht sinnvoll realisierbar. Unabhängig davon, ob das Regelwerk später in Form eines Redaktionsleitfadens neben dem Einzelkämpfer liegt, mit einfachen Programmen umgesetzt oder mit High-Tech automatisch geprüft wird.

Um ein Regelwerk mit einem kleinen Budget und einem überschaubaren Zeitaufwand zu erreichen, ist es von zentraler Bedeutung, das Rad nicht spezifisch für das eigene Unternehmen neu zu erfinden, sondern auf vorhandene Standards aufzubauen – diese vorhandenen Standards als Basis nehmen und nur an den notwendigen Stellen an das eigene Unternehmen anpassen.

Dies mag zwar sehr hemdsärmlig und banal klingen, jedoch begegnen uns in Schulungen – im Rahmen der tekom-Zertifizierung – permanent Redakteure, von denen die Mehrheit keinerlei bzw. nur sehr rudimentäre Regelwerke für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen.

 

Im nächsten Beitrag wollen wir darauf eingehen, weshalb viele Unternehmen kein entsprechendes Regelwerk besitzen, obwohl Standards existieren – und wo entsprechende Standards zu finden sind.

 

 

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